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„Policy-Sprawl“ stoppen: Wie Sie aus 80 Richtlinien ein steuerbares System machen

„Policy-Sprawl“ stoppen: Wie Sie aus 80 Richtlinien ein steuerbares System machen

Policy-Sprawl ist eines dieser Probleme, die selten als „Problem“ gestartet sind. Es entsteht fast immer aus guten Gründen. Ein Audit bringt neue Anforderungen, ein Incident erzeugt Druck, ein neuer Dienstleister will klare Regeln, eine Revision fordert Nachweise, eine Aufsicht setzt Schwerpunkte, oder ein interner Standard soll harmonisiert werden. Also schreibt man eine Richtlinie. Und noch eine. Und irgendwann sind es nicht zehn, sondern vierzig, sechzig, achtzig. Das Ergebnis wirkt zunächst professionell – bis der Alltag zeigt, was sich heimlich aufgebaut hat: Niemand weiß mehr sicher, welche Regel in welchem Fall gilt, welche Version verbindlich ist, wo Ausnahmen stehen, welche Vorgaben sich widersprechen und welche davon wirklich gelebt werden. Im schlimmsten Fall entsteht eine Parallelrealität: Auf dem Papier ist alles geregelt, im Betrieb entscheidet Erfahrung, Gewohnheit und der schnellste Weg.

Das Gefährliche an Policy-Sprawl ist nicht die Anzahl der Dokumente. Das Gefährliche ist die verlorene Steuerbarkeit. Je mehr Richtlinien existieren, desto stärker steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegenseitig überlagern, dass Zuständigkeiten unklar werden und dass Teams anfangen, Richtlinien zu umgehen, weil sie zu schwer, zu unübersichtlich oder zu weit weg vom Betrieb sind. Dann kippt das Ganze in ein Muster, das man im Audit häufig sofort erkennt: Es gibt viele Dokumente, aber wenig belastbare Evidenz dafür, dass die Regeln im Alltag wirklich wirken. Und genau das ist der Punkt, an dem aus „guter Governance“ plötzlich „Dokumentationslast“ wird – ohne dass das Risiko sinkt.


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