GRC-Automation klingt nach einer naheliegenden Lösung: Anforderungen wachsen, Nachweise steigen, Audits werden häufiger – also automatisieren wir eben. Workflows, Tickets, Freigaben, automatische Erinnerungen, Dashboards. Viele Organisationen starten genau so. Und viele stellen nach ein paar Monaten fest, dass zwar „mehr System“ da ist, aber nicht unbedingt mehr Steuerung. Manchmal sogar weniger. Das liegt nicht daran, dass Automation grundsätzlich schlecht wäre. Es liegt daran, dass Workflows nur dann helfen, wenn sie eine saubere Betriebslogik unterstützen. Wenn sie dagegen unklare Prozesse, diffuse Verantwortlichkeiten oder schlechte Evidenzlogik einfach nur digitalisieren, entsteht Tool-Chaos: mehr Klicks, mehr Status, mehr Listen – und trotzdem Unsicherheit, wenn es wirklich zählt.
Der Unterschied zwischen „hilfreicher Automation“ und „Tool-Chaos“ ist selten eine Toolfrage. Er ist eine Designfrage. Automatisierung ist wie Beton: Sie macht das, was schon da ist, stabiler – in gut wie in schlecht. Wenn Ihr GRC-Betrieb klare Decision Points hat, klare Owners, klare Nachweisartefakte und einen sinnvollen Takt, dann kann Automation diese Logik verstärken. Wenn Ihr Betrieb aber auf Zuruf funktioniert, wenn Entscheidungen informell getroffen werden oder wenn Evidenz nachträglich zusammengesucht wird, dann verstärkt Automation genau diese Schwächen. Dann wird aus „Wir automatisieren“ schnell „Wir pflegen ein System, das niemandem hilft“.

