NIS2 und ISO 27001 begegnen sich in vielen Unternehmen gerade auf eine Weise, die erst einmal „logisch“ wirkt – und dann erstaunlich schnell anstrengend wird: Man hat ein etabliertes ISMS, dazu ein Set an Kontrollen, Richtlinien und Nachweisen. Dann kommt NIS2, und plötzlich entstehen neue Listen, neue Workstreams, neue Maßnahmenpläne, neue Reportings. Alles mit gutem Grund. Und trotzdem bleibt bei vielen Teams am Ende ein Gefühl: Wir machen vieles doppelt, und trotzdem sind wir nicht sicher, ob es wirklich besser geworden ist.
Genau hier lohnt sich ein Perspektivwechsel. Denn NIS2 ist kein Ersatz für ISO 27001, aber es zwingt dazu, den Blick zu erweitern: weg von „Sicherheitsmanagement als System“ hin zu „Sicherheits- und Resilienzfähigkeit als Betriebsrealität“. ISO 27001 liefert Ihnen die Struktur, um Informationssicherheit systematisch zu managen. NIS2 setzt stärker auf die Frage, ob diese Struktur in der Praxis spürbar wirkt – besonders dort, wo es unangenehm wird: bei Incidents, bei Lieferkettenabhängigkeiten, bei Managementverantwortung, bei operativer Steuerung. Das ist keine Kritik an ISO 27001. Es ist eine Erinnerung daran, dass ein Managementsystem erst dann seine Stärke zeigt, wenn es den Betrieb stabilisiert, nicht nur Dokumente erzeugt.

