NIS2 wird in vielen Unternehmen zunächst als „Security-Thema“ einsortiert: IT und Informationssicherheit klären Maßnahmen, Compliance koordiniert, und irgendwann bekommt die Geschäftsleitung ein Update mit Ampeln. Das wirkt vertraut, weil viele Regulierungs- und Auditwellen so gelaufen sind. Der Unterschied bei NIS2 ist jedoch, dass sich die Erwartung an die Geschäftsleitung deutlich verändert – nicht nur als Empfänger von Berichten, sondern als sichtbarer Teil der Verantwortungskette. In der Praxis ist das weniger dramatisch, als es manchmal klingt, aber es ist konkreter: Es geht um Organisationsentscheidungen, um Priorisierung, um nachvollziehbare Steuerung – und darum, dass diese Steuerung im Ernstfall und in der Prüfung belegbar ist.
Genau hier entstehen typische Reibungen. Auf der einen Seite will die Geschäftsleitung keine zusätzlichen „Programme“, die den Betrieb lähmen. Auf der anderen Seite will sie nicht in einer Situation stehen, in der ein Vorfall eskaliert, die Aufsicht Fragen stellt oder ein Kunde Nachweise fordert – und man dann feststellt, dass vieles zwar „gemacht“ wurde, aber nicht sauber als Verantwortung, Entscheidung und Evidenz zusammenläuft. Das ist der eigentliche Kern: NIS2 verlangt nicht, dass Vorstände plötzlich technische Spezialisten werden. NIS2 verlangt, dass Verantwortung so organisiert ist, dass sie im Betrieb funktioniert und im Zweifel auch nachweisbar ist.

