

NIS2 bringt viele Organisationen dazu, Sicherheitsmaßnahmen zu „listen“: man schaut auf Kataloge, orientiert sich an Standards, erstellt Maßnahmenpläne. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Die unangenehme Wahrheit ist aber: Nicht jede Maßnahme, die auf dem Papier gut aussieht, trägt im Ernstfall wirklich. Und umgekehrt sind es oft ein paar Basics, die darüber entscheiden, ob ein Vorfall kontrollierbar bleibt – oder ob er sich in Chaos, Stillstand und
D ie Zeiten, in denen IT-Sicherheit als rein technisches Thema in einem abgegrenzten Bereich „passierte“, sind vorbei. Mit NIS2 ist Cybersicherheit keine Frage von Tools und Firewalls mehr, sondern eine Frage der Führung: Prioritäten setzen, Risiken akzeptieren oder vermeiden, Budgets lenken, Lieferketten führen, Meldeketten beherrschen, Beweise liefern. NIS2 rückt damit eine unbequeme Wahrheit in den Mittelpunkt: Sicherheit ist Governance. Und G
Sicherheit riecht nach Serverraum, nach kalter Luft und blau blinkenden LEDs. Sicherheit klingt nach Alarmen, Logfiles, SIEM-Dashboards und Patches. Und Sicherheit sieht aus wie ein Login-Bildschirm, der nach Multi-Factor fragt. Das alles ist richtig – und doch gefährlich unvollständig. Denn die meisten Vorfälle beginnen nicht am Bildschirm. Sie beginnen an Türen, Drehkreuzen, in Aufzügen, an Lieferzonen, in Abstellräumen, bei Paketannahmen, in P
DORA-Gap-Analysen haben einen schlechten Ruf, und das nicht ganz zu Unrecht. Viele Organisationen starten mit guter Absicht und landen trotzdem in einem Zustand, der sich anfühlt wie „Workshop-Dauerbetrieb“: Anforderungen werden diskutiert, Interpretationen werden verglichen, Listen wachsen, offene Punkte werden in Maßnahmenpläne geschrieben – und nach einigen Wochen fragt jemand zu Recht: „Was haben wir jetzt eigentlich konkret gewonnen? Können
K ontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – oder doch umgekehrt? Lange hat sich das Risikomanagement in Unternehmen an dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit abgearbeitet. Auf der einen Seite Reglementierung, Policies, Vier-Augen-Prinzip, Audits. Auf der anderen Seite Eigenverantwortung, Ermessen, Unternehmergeist. Zwischen beiden Polen wurde die Organisation gespannt wie eine Saite, mal straff zugedreht, mal locker gelassen. Das Ergebnis: zeitweise
Es gibt Jahre, in denen Governance wie ein gepflegter Maschinenraum wirkt: saubere Schaltbilder, klare Zuständigkeiten, geölte Prozesse, Prüfzeichen am richtigen Ort. Und es gibt Jahre, in denen das gleiche Bild plötzlich alt aussieht. 2026 ist so ein Jahr. Die Architektur der Kontrolle – Regeln, Freigaben, Checklisten – bewährt sich weiterhin, aber sie reicht nicht mehr aus, um Organisationen durch eine Welt zu steuern, in der digitale Abhängigk
In der Welt der Informationssicherheit gab es immer wieder Schlagworte, die als „Must-have“ galten: Firewalls, Virenscanner, ISO 27001, Cloud Security, Zero Trust. Jedes dieser Themen hatte seine Zeit im Rampenlicht. Heute ist der Begriff, der in Vorträgen, Strategiepapiere und Gesetzesentwürfe gleichermaßen auftaucht, Cyber-Resilienz. Er klingt modern, fast schon schick – und genau deshalb wird er oft oberflächlich behandelt. Aber hinter diesem
Kontrollwirksamkeit klingt nach etwas, das man „einfach messen“ müsste: Kontrolle definiert, Kontrolle durchgeführt, fertig. Viele Dashboards funktionieren genau nach dieser Logik. Sie zeigen Quoten: wie viele Kontrollen wurden ausgeführt, wie viele waren „ok“, wie viele Maßnahmen sind offen. Und trotzdem bleibt bei Führung und Prüfern oft ein ungutes Gefühl: Das sieht nach Aktivität aus, aber es sagt nicht zuverlässig, ob das Unternehmen tatsäch
A uf dem Papier klingt alles logisch: Ein europäischer Rahmen, der digitale Resilienz messbar macht, Meldewege harmonisiert, Drittparteien in die Pflicht nimmt und das Silo-Denken zwischen IT, Betrieb, Einkauf und Compliance aufbricht. In der Praxis prallen diese neuen Pflichten auf alte Strukturen – gewachsene Organisationen, komplexe Lieferketten, Legacy-Systeme, projektgetriebene Budgets, fragmentierte Verantwortungen. Das Ergebnis ist vielero
Manche Sicherheitsgeschichten beginnen mit einem Genie an der Kommandozeile, einem Domain-Admin im Mantel der Nacht, einem perfekt orchestrierten Angriff auf Kerberos oder KMS. Die meisten beginnen anders: mit alltäglichen Rechten, die niemand für gefährlich hält. Ein „Viewer“ in der Doku-Plattform. Ein „Reporting“-Zugang im CRM. Ein „Guest“ im Kollaborationstool. Ein Servicekonto mit Leserechten auf Logdateien. Ein Praktikanten-Account, der nur
